Südasien

| Indien

Für etwa 600 Jahre war die Entwicklung der buddhistischen Kunst ausschließlich auf das antike Indien beschränkt. Dazu gehörte auch die antike Region Gandhāra im damaligen Nordwestindien, deren künstlerisches Vermächtnis sich heute auf Nordwestpakistan und Teile  Afghanistans verteilt.

Die Phase vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis ca. 50 n. Chr. gilt als die „anikonische Phase“ der buddhistischen Kunst, weil Buddha selbst nicht anthropomorph dargestellt wurde. Das Relief mit einem Männerkopf aus der Sunga-Periode (185-73 v. Chr.)repräsentiert diese Phase.

Die Schaffung von Buddha-Darstellungen in menschlicher Gestalt - wohl etwa zeitgleich in den kushan-zeitlichen Kunstschulen von Mathura und Gandhara im 1. Jahrhundert n. Chr. - stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der buddhistischen Kunst und Religion dar, der in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Erst durch sinnlich erfahrbare Bildnisse des Buddha bekam die buddhistische Kunst jenen anschaulichen Charakter, durch den sich der Buddhismus wie ein Lauffeuer in ganz Asien verbreiten konnte. Insofern kommt dieser „Bildwerdung des Buddha“ eine fundamentale Bedeutung zu. Ohne die Entstehung dieses anthropomorphen Buddha-Bildes wäre der Buddhismus wahrscheinlich ein lokales Phänomen geblieben.

Die Kunst Gandharas (1. - 5. Jahrhundert n. Chr.) ist durch eine große und exquisite Gruppe in der Ausstellung vertreten. Ein Kapitell mit Sphinxen veranschaulicht das Kunstschaffen der Schule von Matura . Neben Meisterwerken wie z.B. dem feinsten ostindischen Gupta-Buddha oder einer großartigen Orissa-Skulptur wird eine in dieser Qualität und Vielgestaltigkeit kaum je gezeigte Gruppe von Werken der ostindischen Pala-Kunst vorgestellt.

 

Lehrender Buddha
Ostindien, Bihar, Gupta-Periode, 5. – 6. Jahrhundert n. Chr., Phyllit, Höhe 43,5 cm. Privatsammlung, (ehemals Sammlung Alfred Speelman, London)

Männlicher Kopf
Nordindien, Uttar Pradesh, Mathurā-Region, Mitte 2. – 1. Jahrhundert v. Chr., Roter Sandstein mit hellen Einschlüssen, Höhe 34 cm, Sammlung Kathrin und Andreas Lindner


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