Peru und seine vielfältigen Landschaften

Der Lebensraum der alt-peruanischen Kulturen ist geprägt durch unterschiedliche Landschaftstypen. Aufgrund des gebirgigen Reliefs und der vielfältigen klimatischen Bedingungen existiert ein Mosaik aus einigen Hundert höchst spezifischen Ökotopen. Die wichtigsten Landschaften gliedern sich nach Höhenstufen: das Meer mit seinen überaus reichen Ressourcen, die Küstenwüste mit den bewässerten Flußoasen, die fruchtbaren Täler der Anden, die 4.000 Meter über dem Meer gelegenen Hochebenen, sowie der Anden- Ostabhang, der zum amazonischen Regenwald hinabführt. Jede Höhenstufe brachte andere Produkte hervor. Nur durch eine äußerst geschickte, den naturräumlichen Gegebenheiten angepasste Nutzung verschiedener Naturräume konnte man die eigene Versorgung stabilisieren und jenen gesellschaftlichen Reichtum produzieren, dessen materieller Ausdruck die Luxusobjekte dieser Ausstellung sind. 

Schon in frühester Zeit wurden die einzelnen Landschaften miteinander vernetzt und ihre jeweils spezifischen Produkte getauscht. Handel und Austausch sind eine der grundlegenden Voraussetzungen der andinen Zivilisation. Dieses Prinzip spiegelt sich auch im religiösen Weltbild Alt-Perus. Bedeutende Kultorte lagen an Kreuzungspunkten von Handelswegen und an Übergängen zwischen Ökozonen. In vielen Objekten werden Elemente der verschiedenen Höhenstufen zu einer Einheit zusammengeführt, sei es in Form von Mischwesen oder Symbolen oder durch Materialien aus den verschiedenen Höhenstufen.   

Peru ist ein überaus schwierig zu besiedelnder Lebensraum. Nur 2 Prozent der Landesfläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Der natürliche Reichtum ist ständig durch Natur-katastrophen bedroht. Dürren durch Wassermangel, Erdbeben und verheerende Überschwemmungen im Zusammenhang mit El-Niño- Ereignissen waren in der Lage, ganze Kulturen in ihrer Existenz zu treffen. Dieser Kontrast prägte die alt-peruanischen Kulturen zutiefst. Ihre Kunst ist durchzogen von einer starken Dualität, und das religiöse Lebensgefühl ist von einer permanenten Bedrohtheit bestimmt.

Die Abhängigkeit von den Naturmächten, die Fruchtbarkeit und Überfluss spenden, ihre Gaben aber auch entziehen und die Menschen damit töten können, findet ihren sichtbaren Ausdruck in den mächtigen Göttergestalten Alt-Perus mit ihren aggressiven Raubtiermerkmalen: Jaguarmäulern, Schlangenköpfen, Raubvogelkrallen. Um ihr Wohlwollen zu sichern und Katastrophen abzuwenden, wurden ihnen regelmäßig Opfer dargebracht. Dazu gehörten neben Feldfrüchten auch blutige Tier- und Menschenopfer. Zwischen Menschen und göttlichen Mächten besteht nach indianischer Vorstellung ein ständiger Austausch von Gabe und Gegengabe. Bis heute existiert bei Indianern aber ein Gefühl der nicht vollständig abtragbaren Schuld, die Gabe des eigenen Lebens nicht angemessen zurück geben zu können.  


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