Die Zwangsarbeiter

Die Geschichte der Völklinger Hütte ist eine Geschichte von wirtschaftliche Erfolgen, technischen Innovationen und sozialen Einrichtungen. Es ist aber auch eine Geschichte von tiefen Schattenseiten und als "Kriegsverbrechen" geahndeten Handlungen. Zu diesen Schattenseiten zählen der Einsatz von Zwangsarbeitern in zwei Weltkriegen und die Nähe Hermann Röchlings zu Adolf Hitler und den Nationalsozialisten.
Insgesamt arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges etwa 70.000 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene in den Bergwerken, Hütten und Fabriken des Saarreviers. In der Völklinger Hütte und ihren Nebenbetrieben wurden 12.393 Männer, Frauen und Kinder als Zwangsarbeiter registriert. Unter ihnen waren französische, italienische und russische Kriegsgefangene oder aus der damaligen Sowjetunion verschleppte russische und ukrainische Zivilpersonen.
Die meisten von ihnen konnten nur unter Anwendung oder Androhung von Repressalien dazu gebracht werden, an der Produktion der Waffen teilzunehmen, die gegen ihre Heimatländer eingesetzt wurden. Die Arbeitsbedingungen waren diskriminierend und unmenschlich. 261 ausländische Arbeitskräfte, in der Mehrheit Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, kamen zu Tode. Darunter befanden sich auch sechzig Kinder und Kleinkinder.
Das wichtigste Zwangsinstrument war das betriebliche "Arbeitserziehungslager" Etzenhofen, das die Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke zur ‚Disziplinierung‘ der Arbeiter einsetzte. ‚Widersetzliche‘ ausländische Arbeiter wurden hier nach der Schicht mit Schlafentzug und Strafexerzieren abgestraft. Tagsüber wurden diese Arbeiter an den härtesten und gefährlichsten Arbeitsplätzen eingesetzt.
Eine Besonderheit ist die führende Funktion von Hermann Röchling im Deutschen Reich: Als Vorsitzender der "Reichsvereinigung Eisen" war er an der Rekrutierung und Verschleppung von Zwangsarbeitern aus den besetzten Ländern Europas in die Eisen- und Stahlwerke des gesamten Deutschen Reichs beteiligt. Besonders von Repressalien betroffen waren die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion, die sogenannten "Ostarbeiter". Unter ihnen war die Sterblichkeit höher als bei allen anderen.
Der Einsatz von Zwangsarbeitern in der Völklinger Hütte war nicht Teil des berüchtigten SS-Programms "Vernichtung durch Arbeit", das in Konzentrationslagern zur Anwendung kam. Sehr wohl aber wurden Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen ausgebeutet, schlechter bezahlt, schlechter ernährt als ihre deutschen Kollegen und als Menschen minderen Wertes und Rechtes behandelt.

Zwangsarbeiter in der Völklinger Hütte

Zweiter Weltkrieg:
Gesamt: 12.393
Männlich: 9.913
weiblich: 2.441
Nicht dokumentiert: 39
Davon Kinder und Kleinkinder: 579

Davon zu Tode Gekommene: 261
Davon Kinder und Kleinkinder: 60

Herkunft der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter:
Europa: 12.309
Davon Westeuropa: 6.999
Davon Osteuropa: 5.310
Afrika: 4
Herkunft nicht dokumentiert: 80

Die Herkunftsländer: Albanien | Belgien | Bulgarien | Dänemark | Estland | Frankreich | Italien | Jugoslawien | Kroatien | Luxemburg | Litauen | Marokko | Niederlande | Polen | Serbien | Slowenien | Sowjetunion |Tschechien | Ukraine | Ungarn

Erster Weltkrieg:
Anhand der Firmenchroniken kann die Zahl der Zwangsarbeiter im Ersten Weltkrieg in der Völklinger Hütte mit 1.446 Menschen angegeben werden. 143 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kamen während des Ersten Weltkriegs zu Tode.

Weitere Publikationen

Zwangsarbeit in der Völklinger Hütte, von Inge Plettenberg
529 Seiten, 25 Euro


Zwangsarbeit in der Völklinger Hütte – deutsche und europäische Bezüge
Publikation zur Ringvorlesung am 28. November 2017 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, 10 Euro


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