Webtagebuch 30. Juni

Um an den nordöstlichsten Zipfel meiner Deutschlandumrundung zu gelangen, steige ich heute zum letzten Mal aufs Fahrrad. Sechsundsiebzig Kilometer bin ich durch eine fast menschenleere Gegend unterwegs. Je näher ich der deutsch-polnischen Grenze komme, umso einsamer wird es. Auch in den kleinen Dörfern, die ich durchradle ist niemand auf der Straße. Mitten in der Einsamkeit treffe ich Burkhard Päth aus Gnevezin. Mit einer großen Astsäge schneidet er den Weg frei. Wenige Minuten später begegnen mir Gisela und Harald Sander aus Frankfurt am Main. Sie sind vor einigen Tagen in Frankfurt an der Oder mit ihren Fahrrädern gestartet und wollen Richtung Ahlbeck.    

Der landschaftliche Höhepunkt meiner Tour ist das Naturschutzgebiet „Anklamer Stadtbruch.“ Im Mündungsbereich der Peene entstand vor Jahrtausenden eine riesige Moorlandschaft, die mit 1230 ha Waldfläche der größte Moorwald Deutschlands ist. Der Wind erzeugt im Schilf leise Töne, die ab und zu von den Graugänsen auf dem Wasser übertönt werden. Ansonsten ist es still. Atemberaubende Bilder. Für einige Minuten genieße ich die Stille und den weiten Blick ins Moor.

Bugewitz besteht aus nur wenigen Häusern. Am ersten Haus ein Hinweis: Fahrradtankstelle. Regina Gentz hat das Elternhaus ihres Vaters zu einem kleinen Cafe umgebaut. Seit dem 1. Mai ist die „Tankstelle“ geöffnet. Nachdem sie viele Jahre verantwortlich für die „Butterfahrten mit dem Schiff“ war, will sie jetzt etwas kürzer treten. Im Innenraum ist für fünfzehn Personen eine Kaffeetafel mit alten Sammeltassen und Zubehör gedeckt. „Heute Mittag ist Mumientreff“, sagt sie lächelnd. Die 60-80jährigen aus Bugewitz wollen sie besuchen. Ich genieße den selbst gebackenen Kuchen in  „Gines kleiner Fahrradtankstelle“ und unterhalte mich Stephie und Sebastian aus Berlin. Sie sind für einige Tage mit dem Fahrrad unterwegs. „Ganz schön anstrengend für Stadtmenschen die selten auf dem Fahrrad sitzen“, meinen die Beiden. Auch die schönste Pause muss mal zu Ende sein. Bis Ueckermünde durchradle ich noch eine wunderschöne Waldpassage bevor ich am frühen Nachmittag den Strand erreiche. Morgen warten die Wanderschuhe und Emma auf mich. Ich glaube Emma freut sich wieder mit zu Wandern.

< zurück

Webtagebuch 29. Juni

Der heutige Tag ist ein absolutes Kontrastprogramm zum Vortag. Als ich in Hohendorf am Schloss aufs Fahrrad steigen will, rennt Emma in den angrenzenden Garten des Grafen von Klot-Trautvetter. Tags zuvor hatte der Graf Emma erlaubt im Garten zu spielen. An diesem Morgen ist jedoch die Frau des Grafen im Garten und vertreibt Emma lautstark und Worten, die ich hier nicht wiederholen möchte, von ihrem Grundstück. Es fällt mir schwer ihren rüden Umgangston mit der herzlichen und freundlichen Art des Grafen in Einklang zu bringen. Also versuche ich den Vorfall zu vergessen und die angenehme Atmosphäre von gestern in Erinnerung zu behalten.

Auch der Radweg ist enttäuschend. Die Wegstrecke wird schlechter, der Verkehrslärm nimmt zu. Die alte Hansestadt Stralsund muss ich komplett durchqueren. Die Beschilderung des Weges verliert sich. Immer wieder muss ich nach dem rechten Weg fragen. Ich will Richtung Greifswald. Hinter Stralsund radle ich über Voigdehagen und Devin über dickes Kopfsteinpflaster und Betonplatten. Ich werde ordentlich durchgeschüttelt. Als ich kurz hinter Devin die Wegtrasse des Ostsse-Küsten-Radweges wieder gefunden habe, glaube ich es geschafft zu haben, aber weitere fünfundzwanzig Kilometer Kopfsteinpflaster warten auf mich. Für diese Strecke benötige ich zweieinhalb Stunden! Immer wieder muss absteigen, um meine Handgelenke zu lockern. Es ist die längste Kopfsteinpflasterstrecke die ich jemals in meinem Leben geradelt bin. Hinzu kommt, dass diese alte Landstraße zwischen Stralsund und Greifswald parallel zur neuen stark befahrenen Bundesstraße verläuft. Alte Tugenden muss ich in mir wachrufen: Quälen, beißen, kämpfen. Immer wieder den inneren Schweinehund besiegen. Es wird eine Tour zwischen extremer körperlicher Anstrengung und einer ungeheueren mentaler Stärke: ich schaffe es!

In Greifswald am alten Hafen kann ich mich endlich erholen. Ich weiß nicht wie viel Zeit ich dort verbringe. Aber schließlich bin ich wieder fit erhole und fahre entlang der Ryck bis Eldena, um bei einem Eis die alte aufklappbare Holzbrücke über den Fluss zu bestaunen. Zwischen Kemnitz und Neuendorf verlasse ich den Radweg. Schattige Alleen mit altem Baumstand geben mir das Gefühl durch einen Laubtunnel zu fahren. Ohne den dazugehörigen Autoverkehr wäre es eine Traumroute. Nach dem Duschen falle ich in meinem Zimmer in Wollgast direkt in einen Tiefschlaf.

< zurück

Webtagebuch 28. Juni

Das Deutsche Bernsteinmuseum im Kloster in Ribnitz ist mit über 1500 Exponaten die größte Bernsteinsammlung Europas. Die umfangreiche Sammlung gibt einen Einblick in die Naturgeschichte und Geologie des fossilen Harzes, sowie die Kunst- und Kulturgeschichte des Baltischen Bernsteins. Nach dem Besuch der Ausstellung verlasse ich Ribnitz Richtung Osten. Bis Barth radele ich durch kleine verträumte Dörfer und ein großes Waldgebiet. Im Hafen von Barth mache ich Mittagsrast und esse meine erste „Rauchwurst“ frisch aus der Räucherkammer.

Es wird heiß an diesem Montag, aber der leichte Wind, der vom Meer herüberweht, lässt mich die Temperaturen nicht spüren. Die Fahrt von Barth nach Hohendorf ist eine Fahrt wie durch eine Bilderbuchlandschaft. Kaum ein Mensch ist zu sehen, keine Autos sind zu hören, nur ab und zu ein kleines Dorf mit wenigen Häusern. Und ich mitten drin. Ich genieße mit allen Sinnen. Mal hoppelt ein Hase vor mir her, mal sehe ich in die Augen eines jungen Rehbocks. Die Kühe auf den Weiden liegen träge in der Mittagssonne. Wenn die Wildschwäne mit kräftigem Flügelschlag übers Wasser ziehen vibriert die Luft. Die Ähren riesiger Felder glänzen im Mittagslicht der Sonne bernsteinfarben. Feld- und Wiesenränder sind mit blühenden Holunderbüschen übersät. Der süße Duft der Blüten scheint mich zu betören. Wie eine sich über die Straße windende Blindschleiche schlängelt sich der Weg entlang des Wassers. Ich bin fasziniert von diesen Bildern. Ein Gefühl der Schwerelosigkeit überkommt mich. Ich fühle mich als Teil dieser Landschaft, losgelöst von allem, fühle mich frei. Momente reiner Glückseligkeit. Ich könnte weinen vor Glück. Es ist mit Sicherheit die schönste Radstrecke, die ich jemals gefahren bin.

Auch Dietrich Hoffmann und seine Frau Ursula aus Osnabrück sind von dieser Landschaft fasziniert. Sie stehen mit ihrem Tandemfahrrad und Gepäckwagen am Wegesrand. Ich halte an und treffe auf Gleichgesinnte. In Hohendorf im Schlosscafé werden wir uns zufällig wieder begegnen. Das Café ist an diesem Montagnachmittag geschlossen, aber Schlossherr Hubertus, Burkard, Karl-Friedrich, Eduard Heinrich Graf von Klot- Trautvetter hat Mitleid mit durstigen Kehlen. Er setzt sich zu mir an den Tisch und erzählt aus seinem Leben. Seine Familie stammt aus dem baltischen Raum und führt seit dem 11. Jahrhundert den Grafentitel. Nach der Wende hat der in Stuttgart aufgewachsene Graf sein Familienschloss für eine symbolische D-Mark zurückgekauft  und renovierte mit einigen Millionen sein Familienbesitz (www.schlosshohendorf.de).

< zurück

Webtagebuch 27. Juni

Als ich am frühen Sonntagmorgen die Hansestadt Wismar verlasse, wärmen die Sonnenstrahlen bereits spürbar. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen.
Bis zum Ostseebad Rerik muss ich zunächst nach Norden durch eine leicht wellige Küstenlandschaft radeln. Hinter Wismar führt der Weg durch eine alte Lindenallee. Ich genieße den intensiven Duft der Lindenblüten. Kurze Zeit danach sind die Wiesen übersät von rotem Klatschmohn. An den Randstreifen der Weizenfelder blühen unzählige blaue Kornblumen. Eine Landschaft wie hingemalt, wenn plötzlich auf einer Kuppe am Horizont die Ostsee auftaucht. Die ersten kleinen Segelboote haben Fahrt aufgenommen. Ich kann mich nicht satt sehen an diesen Bildern. Die Beine scheinen sich von alleine zu bewegen. In Stove halte ich kurz an, um eine der alten restaurierten Windmühle zu fotografieren.

An diesem Morgen radle ich durch kleine Ortschaften und Dörfer deren Namen ich noch nie gehört habe: Redentin, Wodorf oder Blowatz, Pepelow, Teßmannsdorf oder Roggow. Zwischen den Ostseebädern Kühlungsborn und Heiligendamm verläuft der Weg direkt an der Steilküste. Wo die Steilküste beginnt, verkauft Regina mit ihrem Eismobil selbst gemachtes Eis. Der ideale Zeitpunkt für eine Pause. „Das Eis ist mit viel Liebe gemacht“, verkündet sie. Es schmeckt köstlich. Einige Taucher kommen vom Strand. „Früher“, so erzählt sie, „als es die DDR noch gab, mussten wir abends um 22.00 Uhr den Strand verlassen. Da kam die Polizei und hat uns weggeschickt. Die hatten Angst es würde sich jemand ein Floß bauen, um sich nach Dänemark abzusetzen.“ Regina muss Eis verkaufen und ich muss weiter. Wir winken uns zu, dann bin ich weg.

Über Heiligendamm und Nienhagen erreiche ich schließlich Warnemünde. Die Fähre bringt mich zur Hohen Düne. Nach mittlerweile fünfeinhalb Stunden Fahrt in sengender Hitze bin ich müde. Meine Beine schmerzen. Trotzdem geht die Fahrt weiter, jetzt durch kühle Waldpassagen nach Graal-Müritz. Dort trinke ich einen Kaffee und esse dazu ein Stück Erdbeerkuchen. Über Klein-Müritz Neuheide und Körkwitz erreiche ich nach sieben Stunden Ribnitz-Damgarten.
Als ich unter der Dusche stehe fällt das erste Tor für die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen England. Nach dem Abendessen schlafe ich mit meinen Kleidern auf dem Bett ein. Für heute „habe ich fertig“.

< zurück

Webtagebuch 26. Juni

Ruhetage dienen der Erholung und Materialpflege. Noch drei Tage werde ich bis zur polnischen Grenze mit dem Fahrrad unterwegs sein. Als ich mein Fahrrad überprüfe, entdecke ich am hinteren Reifen Löcher im Mantel. Mein Reifen ist platt. Im Bahnhof der Hansestadt hat Dietmar Riebe einen Fahrradverleih und eine kleine Werkstatt. Obwohl er wenig Zeit hat löst er mein Problem und bringt mein Fahrrad wieder in Ordnung. Anschließend bleibt Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch die Altstadt von Wismar.
 
Im Juni 2002 wurde das Denkmal „Historische Altstädte Stralsund und Wismar“ in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Die Altstadt von Wismar repräsentiert bis in die heutige Zeit idealtypisch die entwickelte Hansestadt aus der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert. Wismar besitzt mit 76 Hektar die größte im Ostseeraum erhaltene Altstadt und ein Flächendenkmal für mittelalterliche Bau- und Lebensweise die ihres gleichen sucht. Der Markplatz im Herzen der Altstadt ist der größte an der Ostsee.

Zur Sicherung ihrer Handelswege schlossen sich 1259 Lübeck, Stralsund und Wismar zu einem Schutzbund zusammen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich daraus die über mehr als drei Jahrhunderte mächtige Hanse. Wichtige einheimische Produkte Wismars waren Hering und Bier. In der Stadt existierten damals 180 Brauereien. Das Bier wurde vor allem in die angrenzenden Ostseeländer exportiert. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde Wismar und die Insel Poel Schweden zugesprochen. Die Stadt und die Insel wurden zur größten Festungsanlage Europas ausgebaut. 1803 verpfändeten die Schweden für 1.250.000 Taler die Stadt auf hundert Jahre an den Herzog von Mecklenburg-Schwerin. Nach Ablauf des Vertrages 1903 verzichtete Schweden auf die Rückgabe und überließ die Stadt, die seitdem wieder zu Deutschland gehört, den Mecklenburgern.

Morgen werde ich weiter entlang der Ostsee Richtung Osten radeln.

< zurück

Webtagebuch 25. Juni

In Heiligenhafen starte ich mit dem Fahrrad sehr früh am Morgen. 140 Kilometer will ich bis Wismar zurücklegen, ein langer Tag im Sattel. Der Ostsse-Küsten-Radweg ist auch heute sehr abwechslungsreich. Mal radele ich über kilometerlange Lindenalleen, mal schlängelt sich der Weg oberhalb der Steilküste durch schattige Waldpassagen, dann führt der Weg wieder direkt an der Ostsee vorbei. Auch die Landschaftsstruktur hat sich verändert. Immer wieder sorgen kleine Anstiege für schweißtreibende Kurbelarbeit.

In Dahme habe ich für kurze Zeit die Orientierung verloren. Ich halte an, um in der Karte nach dem richtigen Weg zu suchen. Mein Blick fällt auf das Straßenschild: Saarstraße. Wie „dahämm“. Und Saarländer werde ich heute auch noch treffen. Weiter geht die Fahrt über Kellenhusen, Grömitz, Rettin, Neustadt und Sierskdorf nach Scharbeutz. In Scharbeutz, am Timmendorfer Strand und in Travemünde führt der Radweg über die langen Uferpromenaden. Hier ist nur Schritttempo erlaubt.

Von Travemünde nach Priwall muss ich die Fähre nehmen. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten. Im Hafen liegt am Kai die Viermastbark „Passat“, ein Großsegler, den die Reederei Laiez gebaut hat. 1911 wurde die „Passat“ als Frachtsegler in Dienst gestellt. Sie gehört in die Reihe von 17 Großseglern der Reederei.

Kurz hinter Priwall verlasse ich das Bundesland Schleswig-Holstein. Mein Weg führt mich nun durch Mecklenburg-Vorpommern. Entlang der Lübecker Bucht und dem Ostseebad Boltenhagen erreiche ich am späten Nachmittag Wismar. Hier werde ich bereits erwartet. In der Pension „Chez Fasan“ haben mir Gerd Groß und seine Frau Simone ein ganz besonderes Zimmer reserviert. Da in den Zimmern keine Hunde übernachten dürfen steht mein Bett im 1422 gebauten Gewölbekeller des Hauses. Für Emma haben die Beiden direkt neben mir ebenfalls einen Schlafplatz vorbereitet (www.pension-chez-fasan.de). Gerd lernte ich vor einigen Jahren in Losheim im Restaurant „Maison au lac“ kennen. Nach dem Mauerfall zog es ihn nach Wismar. Dort lernte er seine Frau Simone kennen. Bevor es zum schlafen in den Keller geht, sitzen wir im Garten, trinken saarländischen Weißburgunder von Karl Petgen aus Nennig und essen dazu von Gerd persönlich frisch geräucherten Butterfisch. Ein traumhafter Abschluss eines anstrengenden Tages.

< zurück

Webtagebuch 24. Juni

Anrufe und Mails besorgter Freunde erreichen mich. Was ist mit Emma wenn ich einige Tage mit dem Fahrrad unterwegs bin? Sie wird doch nicht in dieser Hitze neben dem Fahrrad herlaufen müssen?

Emma geht es gut. Emma ist versorgt. Sie hat einige Tage Pause. Als ich meine Deutschlandumrundung plante, rief mich meine ehemalige Arbeitskollegin Helga an und meinte: „Wenn du Hilfe brauchst melde dich.“ Helga begleitet mich bis zur Ostgrenze mit dem Auto. Sie versorgt Emma und transportiert auch meinen schweren Rucksack. Helga fand auch einen Sponsor für mein Begleitfahrzeug, die Ford-Central-Garage Schaeffer in Dillingen. Vielen Dank für den Ford Focus Turnier, der mühelos das gesamte Gepäck und Emma transportiert.

Am Morgen ein herzlicher Abschied von Ilka und Alain an „Oma’s Kaffeestuuv“ am Schönberger Strand. Ich radele weiter Richtung Osten. Die Radtrasse verläuft weitgehend auf Radwegen und ruhigen Nebenstraßen. Der Blick über die Ostsee reicht scheinbar bis ins Unendliche. Mal radele ich direkt am Wasser an kleinen Buchten und langen Sandstränden vorbei. Mal an kleinen Waldgebieten oder Feldern und Weideland.

Mein Handy klingelt an diesem Morgen nur ein einziges Mal. Uli aus Marl meldet sich. In den letzten Wochen war er kreuz und quer mit dem ICE durch Deutschland unterwegs, um sein neues Buch vorzustellen. Während des Gesprächs vertrete ich mir die Beine um die Muskulatur zu lockern. Da fällt mein Blick auf ein kleines, unscheinbares Holzschild mit dem Bundesadler. Darauf lese ich: „Hier startete der Bundespräsident Prof. Dr. Karl Carstens am 11.10.1979 seine Deutschland-Wanderung.“

Ohne Ulis Anruf wäre ich an diesem Hinweis in Hohwacht achtlos vorbeigeradelt.

Ich umradele die Hohwachter Bucht und fahre nach Norden Richtung Heiligenhafen. Zwei verschiedenen Routen führen nach Heiligenhafen. Während ich noch unentschlossen in meinem Ostseeküsten-Radweg-Tourenbuch blättere, halten zwei radelnde Frauen, die ebenfalls auf dem Weg nach Heiligenhafen sind. Sonja Achermann und Verena Casagrande wohnen in der Schweiz. Seit drei Jahren machen sie jeweils eine Radtour im Osten und  Norden Deutschlands. „Hier ist es so schön flach und man kann wunderbar weit schauen“,  meinen sie. „So etwas gibt es nirgendwo in der Schweiz.“

Am Abend sitze ich mit Helga und Emma in der ältesten Gaststätte von Heiligenhafen. Im schattigen Biergarten des Klabautermanns werden wir vom Chef und seiner Frau köstlich bewirtet.

< zurück

Webtagebuch 23. Juni

Die Strecke von Eckernförde bis Ueckermünde werde ich wieder mit dem Fahrrad zurücklegen. Über den Ostssee Radweg geht’s Richtung Kiel.

Kurz nachdem ich heute losgeradelt bin, spaziert ein Pärchen mitten auf dem Radweg. Ich klingele, keine Reaktion. Ich klingele wieder, keine Reaktion. Beim dritten Mal dreht sich die Frau um und sagt zu ihrem Mann: „Geh mol riwwa, do koomd e Radfahrer.“ Unverkennbar Saarländer! Ich bremse, springe vom Fahrrad und sage: „Sie senn Saarländerin“. Es stimmt. Gertrud und Eduard Paulus kommen Saarbrücken. Sie wollten in diesem Jahr mal in Deutschland Urlaub machen. Als sie auf der Landkarte Kleinwaabs entdeckten waren sie sich einig: “Do fahre mir hin, das kenne ma noch nidd.“

Als ich in Schilksee, einem Stadtteil von Kiel, ankomme herrscht Hochbetrieb. Der Hafen des Olympiastützpunktes ist Ausgangspunkt der vielen Regatten der Kieler Woche. Draußen auf der Ostsee tummeln  sich hunderte kleiner und großer Segelboote.
Während ich mit der Fähre von Friedrichsort auf die gegenüberliegende Seite nach Laboe übersetze, segeln viele große Boote an uns vorbei. Ein phantastisches Fotomotiv.

Hinter Laboe verläuft der Radweg direkt an der Ostsee. Nur der Strand trennt mich vom Wasser. Ein fantastischer Radweg.

Am Schönberger Strand angekommen suche ich „Oma’s Kaffeestuuv“. Ilka und Alain Mercier, die ich in Blankenheim in der Eifel vor einigen Wochen kennen lernte, haben mich zu sich eingeladen. An diesem Abend komme ich allerdings sogar noch bis „Kalifornien“. So schnell war ich noch nie unterwegs. Im Hotel Seestern in „Kalifornien“ essen wir frisch gefangenen Fisch. Anschließend machen wir es uns auf der Couch bei Ilka und Alain bequem um den 1:0 Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Ghana zu verfolgen. 

< zurück


English VersionVersion français


http://whc.unesco.org/en/list/687/http://www.ecsite.eu/?p=4239http://www.erih.net/nc/de/ankerpunkte/deutschland/detail.html?user_erihobjects_pi2[pointer]=0&user_erihobjects_pi2[mode]=1&user_erihobjects_pi2[showUid]=15320&user_erihobjects_pi2[country]=1&user_erihobjects_pi2[regionalroute]=0&user_erihobjects_pi2[anchorOnly]=1&user_erihobjects_pi2[membersOnly]=0