Das Paradies

Aus der Hölle ins Paradies

Der Industrielandschaftsgarten „Das Paradies“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

 

Die Kokerei war einst der schmutzigste Ort der Völklinger Hütte, an dem Hitze, Staub und Feuer regierten. Heute können die Besucher des Weltkulturerbes Völklinger Hütte auf diesem Terrain einen außergewöhnlichen Landschaftsgarten entdecken, der zum Verweilen in der Natur einlädt und „Industriekultur“ neu erfindet. Aus der ‚Hölle‘ ist „Das Paradies“ geworden. Das einzigartige Biotop ist Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen.

 

Gleich einem geheimnisvollen irdischen Garten Eden hinter einer uneinnehmbaren Mauer ruhte es unbetreten fast 25 Jahre lang: das Areal zwischen der Kokerei und der Saar. Paradiesisch konnten Tiere und Pflanzen sich im Schatten der Hochofengruppe entfalten. Schritt für Schritt haben sie das Gelände zurückerobert und verwandelt. Auf diesem Terrain des Weltkulturerbes Völklinger Hütte finden die Besucher heute „Das Paradies“. Nach den Plänen von Catherina Gräfin Bernadotte von der Insel Mainau entstand ein Landschaftsgarten von 33.000 Quadratmetern, der die Symbiose von Industrie und Natur in 12 Gartenräumen inszeniert.

 

In der Kokerei wurde der Koks erzeugt, der für die Erzeugung von Roheisen notwendig ist. Die Arbeit dort galt als eine der schwersten auf der gesamten Hütte, da die Arbeiter mit Hitze, Gasen und den Launen des Wetters zurechtkommen mussten. Der heutige Industrielandschaftsgarten „Das Paradies“ erstreckt sich um die bestehenden Teile der ehemaligen Kokerei - den historischen Stahl-Kohleturm von 1897, den zentralstehenden Betonkohleturm, die Koksbatterien Vier und Sieben sowie das große Teerbecken. Die Ausblicke auf die Hochöfen der Völklinger Hütte, auf die Saar und die ehemaligen Koksbatterien sind Bezugsachsen der Orientierung.  

 

Zwischen der ehemaligen Kokerei und der Saar wachsen 25 Jahre nach Stilllegung der Roheisenproduktion die Kanadische Goldrute, wilde Astern oder die Zitter-Pappel. Sie tauchen „Das Paradies“ in bunte Farben. Die Gartenräume vermitteln unterschiedliche Erfahrungen mit der Natur inmitten eines Industriedenkmals. Ruhebänke laden zum Verweilen ein.

 

Auf 1.000 Metern neu angelegten Wegen und Plätzen wurden neue Blickachsen auf und in das Weltkulturerbe geschaffen. Zu den Gartenräumen im „Paradies“ gehört das „Revier des schwarzen Fisches“. Um den Koks abzukühlen und um Teer aus dem Koksgas zu destillieren, wurden riesige Mengen Wasser benötigt. Das Wasser wurde in großen Becken gesammelt. In diesen Becken haben sich heute Fische angesiedelt. Durch einen Schlot, der einst den Himmel mit schwarzem Rauch verdüsterte, kann man heute den blauen Himmel und die Wolken beobachten.

Die abwechslungsreichen Gartenräume lösen Empfindungen aus, die von höchster Ruhe bis zu lebhafter Energie reichen. Der Lauf des Jahres taucht das Paradies in bunte Farben und angenehme Gerüche.

 

„Mit dem ‚Paradies‘ zeigen wir in zwölf gebauten Gartenräumen einen einzigartigen Dialog zwischen Natur und Kultur“, sagt Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. „Die Bilder, die im Rundgang entstehen, entwerfen auch unseren Begriff von Industriekultur neu. Gerade darin liegt der besondere Wert dieses Gartenreichs im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.“

 

Die Pflanzen- und Tierwelt auf dem Gelände des Weltkulturerbes Völklinger Hütte wird derzeit von Biologen untersucht. Zu den Bewohnern des Hüttenareals gehören Fledermäuse und Vögel wie der Hausrotschwanz. Mehrfach wurden Katzen in 20 Meter Höhe in der Hochofengruppe beobachtet. Und auch ein seltener Schmetterling wie das „Braunauge“ und Eisvögel, die in den Gewässern im und um das Weltkulturerbe nach Nahrung suchen, wurden bereits gesichtet.  Für Biologen, die sich mit Moosen und Farnen beschäftigen, ist das Hüttenareal die reinste Fundgrube. Steffen Caspari, Zentrum für Biodokumentation Landsweiler-Reden, hat eine echte Rarität entdeckt: das Moos „Didymodon umbrosus“ wurde im Weltkulturerbe Völklinger Hütte erst zum dritten Mal in Deutschland  gefunden.

 

Begleitend zur weltweit größten Keltenausstellung „Die Kelten – Druiden. Fürsten. Krieger.“ (verlängert bis zum 21. August 2011) in der Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte wurden im „Paradies“ mehrere Hochbeete mit Pflanzen angelegt, die schon die Kelten kannten. Der Schwerpunkt liegt auf keltischen Heilkräutern. Aber auch ein Wildkraut wie „Mädesüß“, das die Kelten als ‚heilige‘ Pflanze verehrt haben sollen, findet sich im „Keltengarten“. Die Kelten nutzten Mädesüß, um ihren Met zu süßen.

 

Der Landschaftsgarten „Das Paradies“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte - eine einzigartige Symbiose von Industrie und Natur, die „Industriekultur“ neu erfindet.

Das Paradies ist täglich ab 10 Uhr geöffnet.


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