Großprojekt im Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Wasserhochbehälter wird zur zentralen Eingangsplattform

Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte startet ein neues Großprojekt. Der Wasserhochbehälter wird zur zentralen Eingangsplattform des Weltkulturerbes Völklinger Hütte gestaltet. In einem europaweiten Architekten-Wettbewerb gingen 45 Vorschläge ein. Nach Wettbewerb und Vergabeverhandlung erreichte das Berliner Architekturbüro Duncan McCauley den ersten Rang und wurde mit der Planung betraut. Kooperationspartner vor Ort ist das Architekturbüro Wandel Lorch, Saarbrücken. 

Der Siegerentwurf des Büros Duncan McCauley zielt auf einen spannenden Weg durch die historische Substanz, auf dem die Besucher die Besonderheiten des Wasserhochbehälters und des benachbarten Pumpenhauses erleben. Er sieht einen großzügigen Eingangsbereich im Wasserhochbehälter vor. Diese Erdgeschosshalle mit seinen beiden erhaltenen Kranbahnen wird weitgehend freigehalten, um als authentischer Zeitzeuge der industriellen Vergangenheit zu dienen. Von dort werden die Besucher über eine offene Museumstreppe geleitet. Fensteröffnungen in der Giebelwand des Pumpenhauses geben dabei Einblicke in die historische Substanz des Pumpenhauses. Die Anbindung an den Besucherweg der Gebläsehalle und des Gebläsestegs erfolgt über das Pumpenhaus.

„Mit der Besuchererschließung des Wasserhochbehälters erhält das Weltkulturerbe Völklinger Hütte eine spektakuläre neue Eintrittssituation, die im Bereich der Industriekultur ihresgleichen sucht. Die einzigartige Industriekultur des Wasserhochbehälters empfängt den Besucher mit der besonderen Aura der Völklinger Hütte und stimmt ihn auf den Besuch des Weltkulturerbes Völklinger Hütte ein. Zugleich bietet der Wasserhochbehälter einen großzügigen und zweckmäßigen Eingangsbereich, der alle Voraussetzungen eines modernen Tourismusortes erfüllt. Durch die neue Eingangsplattform im Wasserhochbehälter entsteht ein neuer spektakulärer Raum der Industriekultur, der den direkten Zugang vom Großen Platz des Weltkulturerbes Völklinger Hütte ermöglicht. Dies ist eine wesentliche Verbesserung der Gesamtanlage, die auch einen touristischen Mehrwert bedeutet. Daher sind wir äußerst glücklich, dass es nun möglich ist, diesen spannenden Transformationsprozess zu starten“, sagt Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.

Von Montag, dem 19. November bis Sonntag, den 2. Dezember 2018, zeigt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte in der Verdichterhalle eine öffentliche Ausstellung zur Neugestaltung des Wasserhochbehälters, in der die Wettbewerbsarbeiten zu sehen sind.

In der Völklinger Hütte brauchte man zur Kühlung enorme Mengen an Wasser. So wurden beispielsweise die Stahlmäntel der Hochöfen von außen mit Wasser überspült. Der Wasserhochbehälter der Völklinger Hütte war seit 1918 ein bedeutender Teil der Wasserversorgung. Bei Ausfall der Wasserförderung durch Pumpen konnte die Wasserversorgung durch den Wasserhochbehälter für etwa eine Stunde aufrechterhalten werden. Der Wasserhochbehälter der Völklinger Hütte zählt zu den größten jemals gebauten Wassertürmen. Einzigartig ist seine komplette Beton-Konstruktion und die außergewöhnliche Bauform. Die enormen Mengen an Wasser, die zur Kühlung in der Völklinger Hütte notwendig waren, wurden aus der Saar über Pumpen zu den Hochöfen und zu dem Wasserhochbehälter befördert. Die Pumpen wurden von Gasmotoren über Flachriemen angetrieben. Auch diese Gasmotoren im Pumpenhaus, neben dem Wasserhochbehälter, sind ein Kleinod der Industriegeschichte.

Durch die Restaurierungsarbeiten werden unentdeckte Räume und Meilensteine der Industrie-Geschichte zugänglich. Nach den Baumaßnahmen betreten die Besucher das Weltkulturerbe Völklinger Hütte direkt von dem Besucherparkplatz über den Wasserhochbehälter. Der Eingang über den Zimmerplatz mit der Außengastronomie im Sommer bleibt erhalten. Die Erschließungsbox vor der Gebläsehalle, die sogenannte „Red-Box“, wird nach Inbetriebnahme des neuen Haupteingangs abgebaut. Für die Umgestaltung des Wasserhochbehälters zur zentralen Eingangsplattform des Weltkulturerbes Völklinger Hütte werden rund 5 Millionen Euro veranschlagt.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist das erste Industriedenkmal aus der Blütezeit der Industrialisierung, das in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde.  Es ist das einzige Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung, das vollständig erhalten ist. Nach der Stilllegung der Roheisenproduktion im Jahr 1986 wurde die Völklinger Hütte 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Anfänge der Völklinger Hütte reichen bis zum Jahr 1873 zurück. Der erste Hochofen wurde 1883 angeblasen. Die Sanierung und touristische Erschließung der Völklinger Hütte werden aus Mitteln der Bundesrepublik Deutschland, der Europäischen Union und des Saarlandes finanziert.


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